Die Tempelritter
siedelten sich im 12. Jahrhundert in unmittelbarer Nähe des Tempelbergs, der höchsten Erhebung im Süden Berlins an. Nach ihnen wurde der Stadtteil Tempelhof benannt. Der Templerorden war der erste Orden, der die Ideale des adligen Rittertums mit denen der Mönche vereinte. Die Templer galten als sehr gebildet und sozial engagiert. Sie verliehen und verschenkten Geld für Projekte und machten Geldanleihen zu einer regulären geschäftlichen Betätigung.
1821 wurde auf dem Tempelberg das Schinkeldenkmal zur Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon als Freiheitsmahnmal errichtet. Die Spitze ziert ein Eisernes Kreuz, Symbol der Templer und Johanniter und heute der Hilfsdienste Malteser und Rotes Kreuz. Ihm verdankt der Kreuzberg seinen heutigen Namen.
Das Brauereigelände
1857 gründete sich die Berliner Brauereigesellschaft Tivoli, die in zwei Baustufen 1857–1859 und 1862–1873 die umfangreichen Brauereigebäude errichten ließ. So entstanden neben den eigentlichen Brauereianlagen wie Mälzerei und Sudhaus auch Werkstätten für Stellmacher, Sattler, Tischler, Schmiede und Ställe für 275 Brauereipferde.
1885 fand im Tivoli-Ballsaal die Gründungsversammlung der Berliner SPD statt. 56 Jahre später, 1941, erfand Konrad Zuse in unmittelbarer Nachbarschaft, in der Methfesselstr. 7, den ersten funktionsfähigen Computer der Welt (Z3) und leitete damit die Revolution für den weltweiten freien Zugang zu Informationen ein.
1891 übernahm die Schultheiss-Brauerei das Gelände. Bis 1993 wurde in der Braustätte am Kreuzberg Bier gebraut, dann wurde der Betrieb geschlossen. 1999 wurde der Grundstein zum hier neu entstehenden Viktoriaquartier gelegt, in das die denkmalgeschützten Gebäude einbezogen wurden.
Der Gotische Saal
im denkmalgeschützten Schmiedehof mit seinen ausgeprägten Rippengewölben ist eines der wenigen noch erhaltenen Brauereigebäude aus dieser Zeit. Er wurde im Jahr 1869 in sakraler Ost-West-Ausrichtung erbaut. Ob er ursprünglich – wie in der Historie benannt – als Ballsaal oder als Ausschankraum oder gar der Architektur entsprechend als Kapelle genutzt wurde, ist nicht abschließend geklärt. Zu Kriegszeiten diente er als „Pferdelazarett“ den Pferden als Heilstätte. Ab den 50er Jahren war er betriebseigene Kapelle. In dem Andachts- und Gebetsraum befand sich ein Altar, die Decken und Wände sollen laut Aus-sage eines ehemaligen Mitarbeiters mit Engelgemälden und Marienbildern verziert gewesen sein. 1980 wurde der Saal weiß getüncht und zur Malerwerkstatt umfunktioniert.
Nach der Schließung des Brauereibetriebes 1993 stand das Gebäude überwiegend leer.
2005 übernahm Michael Kubitscheck den Saal als Rohbau. Der behutsame Aus- und Umbau zum Veranstaltungsort dauerte annähernd zwei Jahre.
